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Haushaltsrede des Bürgermeisters der Stadt Goch zur Einbringung des Haushalts 2026

Bürgermeister Stephan Luyven

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren des Rates,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung,
meine Damen und Herren,

Peter Drucker hat einmal gesagt:
„Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

(Peter Ferdinand Drucker war ein US-amerikanischer Ökonom österreichischer Herkunft)

Diese Aussage trifft den Kern dessen, was wir Ihnen heute mit diesem Haushaltsentwurf vorlegen. Wir bringen einen Haushalt ein, der unter schwierigsten finanziellen Rahmenbedingungen entstanden ist, der teils schmerzhafte Eingriffe enthält und der uns allen einiges abverlangt.

Dieser Haushalt ist ein Ausdruck von Verantwortung. Er beschönigt nichts, er verschweigt nichts – und er verspricht auch nichts, was wir nicht halten können. Aber er zeigt einen Weg auf, wie wir unsere finanzielle Handlungsfähigkeit in dieser schwierigen Lage absichern, Pflichtaufgaben erfüllen und trotzdem noch dort investieren können, wo es für die Perspektive unserer Stadt notwendig ist.

Haushaltspolitik bedeutet in diesen Zeiten nicht, alles möglich zu machen. Haushaltspolitik bedeutet, Prioritäten zu setzen, Grenzen zu akzeptieren und trotzdem Gestaltungsspielräume bewusst zu nutzen. Genau das ist der Anspruch dieses Haushaltsplanentwurfs.

Wir leben in einer Zeit tiefgreifender Umbrüche. Internationale Krisen, geopolitische Spannungen, anhaltende wirtschaftliche Unsicherheiten, explodierende Energie- und Baukosten, sowie die Folgen des demografischen Wandels betreffen uns Alle und schlagen in ihren Auswirkungen auch bis auf die kommunale Ebene durch. 
Wir als Kommune stehen dabei am Ende der Wirkungskette – wir bekommen die direkte Rückmeldung der Bürgerinnen und Bürgern. Und wir stellen immer wieder fest: Die Folgen politischer Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene sind in vielen Bereichen nicht mit ausreichender finanzieller Kompensation hinterlegt.
Besonders deutlich spüren wir dies bei Aufgaben, die uns in den vergangenen Jahren zusätzlich übertragen wurden: in der Flüchtlingsaufnahme und -integration, im sozialen Bereich, bei der Kinderbetreuung, im Schulwesen, beim Klimaschutz sowie bei der öffentlichen Sicherheit. 

Diese Aufgaben sind richtig und wichtig – sie sind Ausdruck gesellschaftlicher Verantwortung. Sie müssen jedoch auch dauerhaft und verlässlich finanziert werden können.

Die kommunale Finanzausstattung hält auch mit den zusätzlichen Zuweisungen mit den realen Belastungen nicht Schritt. Hier ist die Unterstützung von Bund und Land zwingend erforderlich. Wer den Kommunen nicht nur neue Aufgaben überträgt, sondern auch die Komplexität existierender Aufgaben stetig erhöht, muss auch für eine auskömmliche Finanzierung sorgen.  

Wie sieht unser Haushaltsentwurf in Zahlen aus: 
Er hat ein Volumen von 137,4 Mio. Euro. Knapp die Hälfte der Ausgaben sind Transferleistungen. Wir zahlen in diesem Jahr
20 Mio. Euro Kreisumlage, das sind 2 Mio. mehr als im Jahr 2025. Schlüsselzuweisungen erhalten wir „nur“ gut 9 Mio. Euro,
5,5 Mio. Euro weniger als im Jahr 2025. 
All das führt zu einem kalkulierten Defizit in Höhe von 7,7 Mio. Euro.

Und das auch nur, wenn unsere ambitionierten Prognosen eintreffen und wir zusätzlich unsere Kommunalsteuern anheben. Auf die Zahlen hierzu geht meine Kollegin unsere Kämmerin Frau Gansen später noch im Detail ein.

Das verschafft uns die finanzielle Luft, die wir für wichtige Investitionen brauchen.

  • in Bildung und Betreuung, um Kindern und Familien verlässliche Perspektiven zu bieten;
  • in Mobilität und Infrastruktur, um Goch als Wohn- und Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten;
  • in Stadtentwicklung und Wohnen, um bezahlbaren Wohnraum zu sichern und unsere Ortsteile zu stärken;
  • und in Sicherheit und Ordnung, weil das Sicherheitsgefühl der Menschen eine grundlegende Voraussetzung für Lebensqualität ist.

Konkret möchte ich im Bereich der Investitionen die ISEK-Maßnahmen nennen. Wir wollen daran festhalten, weil wir nur noch in diesem Projekt die Chance auf eine erhebliche finanzielle Förderung haben und wir die Modernisierung unserer Plätze in Goch dringend benötigen. Aus komplett eigener Kraft werden Maßnahmen wie die Gestaltung von Markt- und Klosterplatz sowie die Gestaltung des Bereiches rund um das Steintor in den kommenden Jahrzehnten nicht mehr umsetzen können.

Liebe Kolleginnen und Kolleginnen des Rates,

ich lade Sie ein, diesen Haushalt nicht nur als Zahlenwerk zu betrachten, sondern als gemeinsame Grundlage für Verantwortung und Zusammenarbeit. 
Nicht jeder Punkt in diesem Haushalt ist unumstritten. Nicht jede Maßnahme stößt auf Zustimmung, das ist uns natürlich bewusst. Dieser Haushalt wird es niemals allen recht machen. Aber er bietet eine ehrliche, tragfähige Basis für die jetzt anstehenden Beratungen. 

Er eröffnet Raum für Diskussion, für Verbesserungen und für gemeinsame Lösungen – ohne die finanzielle Statik und Realität aus dem Blick zu verlieren. Ich werbe deshalb um Ihre konstruktive Begleitung in den kommenden Wochen. 

Lassen Sie uns diesen Haushalt gemeinsam weiterentwickeln, mit Augenmaß, mit Verantwortungsbewusstsein und mit dem klaren Ziel, unsere Stadt auch unter schwierigen Bedingungen verlässlich zu steuern und zukunftsfähig aufzustellen. 

Ich werde schnellstmöglich eine Haushalts-Sparkommission einrichten, besetzt mit Mitgliedern des Rates und Vertretern der Verwaltung. Sie soll Einsparpotentiale einerseits und Kostentreiber andererseits identifizieren und Lösungsvorschläge erarbeiten. Ergebnisse sollen in den Haushaltsentwurf 2027 einfließen. Denn es ist und bleibt unsere Aufgabe, vor Ort verantwortungsvoll zu wirtschaften. Die Verwaltung hat bereits intensiv an der Konsolidierung gearbeitet, Prozesse überprüft und Einsparpotenziale identifiziert. Und sie tut dies weiterhin. 

Dennoch betone ich: Die kommunalen Probleme werden in Zukunft nicht kleiner werden und lassen sich nicht allein vor Ort lösen. Aber dazu beitragen können und werden wir.

Meine Damen und Herren,

ich bitte Sie alle an dieser Stelle herzlich um Ihre konstruktive Beratung in den kommenden Wochen. Lassen Sie uns mit diesem Haushalt gemeinsam arbeiten. Mit Augenmaß, mit Verantwortungsbewusstsein und mit dem klaren Ziel, unsere Stadt auch unter schwierigen Bedingungen solide und zukunftsfähig aufzustellen.
Ich lade Sie ein, den Haushaltsentwurf 2026 sachlich, konstruktiv und lösungsorientiert zu beraten. Lassen Sie uns dabei nicht den Blick für das große Ganze verlieren: für den Zusammenhalt in unserer Stadt, für die Zukunft unserer Kinder und für eine nachhaltige Entwicklung aller Gocher Ortsteile. 

„Die beste Art, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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