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Gocher Persönlichkeiten

Gocher Persönlichkeiten:

In dieser Rubrik blicken wir auf bekannte und berühmte Menschen, die in Goch geboren sind, gewirkt haben, oder Teile ihres Lebens hier verbrachten. In einer alphabetischen Liste befinden sich Informationen zu Persönlichkeiten des Sports, der Kultur, der Kirche und auch die Gocher Ehrenbürger.

Acken, Rüttger Johannes van (1879 - 1937)

Rüttger Johannes van Acken (geboren am 19.12.1879 in Goch als zweites von zehn Kindern – gestorben am 13.5.1937 in Berlin) war Spross einer alten Gocher Familie, die seit 1383 am Niederrhein nachweisbar ist. Van Acken besuchte nach der Rektoratschule u.a. das Collegium Augustinianum Gaesdonck  und wurde im Juli 1903 zum Priester geweiht. Die ersten 20 Schaffensjahre seines Lebens verbrachte er als Seelsorger in Gladbeck. Hier engagierte sich van Acken als Vizepräses im katholischen Knappen- und Arbeiterverein und betreute das St. Barbara-Hospital, wo er 1910 Rektor wurde. Außerdem betätigte sich der vielseitig begabte Priester als Archivar, Lokal- und Kunsthistoriker, Zeichner, Künstler, Autor und Kommunalpolitiker. Im Ersten Weltkrieg errichtete van Acken in Gladbeck ein zweites Krankenhaus. 1924 wurde Johannes van Acken Direktor im Caritaswesen in Berlin und errichtete dort ein zentrales Caritas-Institut für die Gesundheitsfürsorge in Verbindung mit einem Aus- und Weiterbildungsinstitut. Am 15. Mai 1930 wurde van Acken Caritasdirektor im Krankenhaus Köln-Hohenlind. Am 28. Oktober 1932 erfolgte die Einweihung des von Prälat van Acken in Köln-Hohenlind gegründeten Krankenhauses mit Kirche und der katholischen Fortbildungsakademie für Gesundheitshilfe. Am 13. Dezember 1936 erfolgte die Ernennung zum päpstlichen Hofprälaten. Prälat van Acken starb am 17. Mai 1937 aufgrund einer Krankheit völlig unerwartet auf einer Tagung in Berlin.

In Köln-Hohenlind wurde die Straße vor dem Krankenhaus und das Institut am 9. Juni 1982 in „Prälat-van-Acken-Straße“ bzw. „Haus van Acken“ umbenannt. Die Stadt Goch hat 1994 eine Straße nach ihm benannt.

Literaturhinweise:
Acken, Direktor Prälat Johannes van. Beiträge zur Familiengeschichte der van Acken. Krefeld, 1936.
Samen, Manfred. Johannes van Acken. Geistlicher Rektor des St. Barbara-Hospitals zu Gladbeck/Westfalen. Gladbeck unsere Stadt. Nr. 3/1994, S. 3-7.
Nottenkämper, Franz-Ludwig. Sein Lebenswerk war Hohenlind. Leben und Schaffen des Gocher Prälaten Rüttger Johannes van Acken (geb. 1879, gest. 1937 in Berlin). In: An Niers und Kendel, Heft 33/1997, S. 12-18.

Baums, Karl (1863- 1939)

Karl Baums, geboren am 19.6.1863 in Dülken, gestorben in Goch am 14.7.1939, kam nach seiner Tätigkeit als Klassenlehrer in Wetten am 1. Oktober 1888 nach Goch. In Goch wirkte er an der 1. Bezirksschule und anschließend am Gymnasium als Zeichen-, Gesangs- und Turnlehrer. Um 1897 bis 1906 war Baums Dirigent des "Sängerchors des katholischen Gesellenvereins" (Kolpingfamilie). Gymnasiallehrer Karl Baums stellte 1915 mit Hilfe seiner Schüler „Die Heimatzeitung im Felde", die für die Soldaten an der Front bestimmt war, in einer wöchentlichen Auflage von 2.000 Stück her.
Karl Baums gründete 1897 den Gartenbau- und Verschönerungsverein Goch, deren langjähriger Vorsitzender er war. Er gestaltete den Stadtpark, den Schwanenteich, den Blumenplatz und den Stadtfriedhof am Greversweg und machte sich dadurch einen Namen als Gartenarchitekt. Außerdem gründete er einen Knabenchor und förderte den Pfarr-Cäcilien-Chor der St. Maria-Magdalena-Gemeinde.
Die Stadt Goch schenkte Karl Baums als Dank für seine Arbeit am Stadtpark 1928 einen Pavillon, den Baums im Stadtpark aufstellen ließ.
Der Weg am Eingang des Stadtparks an der Brückenstraße trägt seit 1939 den Namen „Karl-Baums-Weg".
Der Gartenbau- und Verschönerungsverein Goch enthüllte 1971 zum Gedenken an den „Gartenarchitekten" Karl Baums im Stadtpark einen Findling.

Literaturhinweis:
Koepp, Hans-Joachim. Die Gocher Parkanlagen an der Niers. Aus Stiftungen, Spenden und Fördermitteln zur Beschäftigung von Arbeitslosen entstand der Stadtpark. In: An Niers und Kendel, Heft 31/1996, Seite 1-12.

Dr. Bergrath, Peter Bernhard (1823 - 1861)

Dr. Bergrath wurde am 23. Oktober 1823 in Düsseldorf geboren, wo er 1841 sein Abitur machte. Im Oktober 1841 begann er das Studium der Medizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn, das er am 19. Oktober 1844 erfolgreich beendete. Anschließend praktizierte Bergrath neun Monate an der Provinzial-Irrenheilanstalt in Siegburg als „erster ärztlicher Assistent" und erhielt 1847 die Approbation. Danach ließ er sich als Arzt vorübergehend in Kleve, wo inzwischen seine Eltern lebten, nieder. Bereits wenige Monate später praktizierte Dr. Bergrath, in Goch, wo er am 4. Dezember 1848 Dorothea Huberta Ebben, Tochter des Gocher Kaufmanns Ebben, heiratete. Seine Frau starb bereits acht Jahre später. Dr. Bergrath leitete von 1849 bis zu seinem Tod im Jahre 1861 das Gocher Hospital. Außerdem war er Schöffe in Goch. Als leidenschaftlicher Heimatforscher forschte er in der Zeit, in der er in Goch lebte, in der Gocher Geschichte und veröffentlichte zahlreiche wertvolle Beiträge überwiegend in den „Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein". Die Stadt Goch benannte um 1930 eine Straße „Bergrathstraße".

Literaturhinweise:
Derix, Hilla. Ein unbekannter Gocher Arzt. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1981, S. 36-38.
Kreßin, Klaudia. Zeitfunken. August 1995 bis Januar 1996. Nijmegen, 1996, S. 158 f.
Weber, Rudolf. Dr. med. P.B. Bergrath - Lebensbild eines Gocher Arztes. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1977, S. 122-124.

Peter Bongardt, Poorte Jäntje (gest. 1590)

Poorte Jäntje war der Wächter des Vosstores in Goch. 1590 war es, da erzürnte Poorte Jäntje (eigentlich hieß er Peter Bongardt) die ganze Stadt, weil er zum Verräter wurde. Er wollte Goch an die Spanier verraten, indem er einen Wachsabdruck des Torschlüssels anfertigte und diesen aus der Stadt hinaus zu den feindlichen Spaniern schmuggeln wollte. Jedoch wurde er von einem Gocher Bürger auf frischer Tat ertappt und nach einer kurzen Verhandlung zum schändlichen und qualvollen Tod durch Vierteilung verurteilt. Allerdings konnte sich Poorte Jäntje der Strafe entziehen. Die schreckliche Hinrichtung vor Augen, beging er in der Nacht davor Selbstmord, indem er sich vergiftete. Sein abgeschlagenes Haupt hing lange Zeit zur Abschreckung am Vosstor.

Bosch van den, Wilhelm Anton (1764 - 1843)

Wilhelm Anton van den Bosch, geboren am 30. Juli 1764 in Goch, gestorben am 13. Januar 1843 in Goch, war als Großkaufmann und Gutsbesitzer der reichste Bürger der Stadt. Von 1804 bis 1814 war er Maire von Goch, anschließend bis 1815 Bürgermeister der Stadt Goch. 1814 wurde er Hauptmann der 1. Compagnie der Gocher Bürgermiliz und Bataillons-Chef. Um 1800 war van den Bosch Tabakfabrikant. Der Großkaufmann erwarb 1803 das ehemalige Tertiarinnen-Kloster und richtete darin eine Schnapsbrennerei mit sieben Brennkesseln und eine Zuckerrübenpresse ein. Um 1805 erwarb van den Bosch auch den Thomashof, der ehemals dem Beginenkonvent in der Stadt gehörte. Van den Bosch richtete auf dem Gut Thomashof eine weitere Brennerei mit zwei Kesseln ein.

Ab 1806 betrieb Wilhelm Anton van den Bosch eine Branntweinbrennerei und eine Zuckerfabrik. Er befasste sich mit der Zucht von Obstbäumen; für seine Zuchterfolge wurde er vom Preußenkönig Friedrich dem Großen mit einer Prämie belohnt. Von 1790 bis 1842 war van den Bosch Mitglied des Provisorenkollegiums der „Bruderschaft zu Unserer Lieben Frau“, 1822 war er Bevollmächtigter zur Regelung der Gemeindeschulden, 1826 bis 1828 war er Abgeordneter im Rheinischen Provinziallandtag, 3. Standes.

Literaturhinweise:
Weber, Rudolf. Das Tertiarinnenkloster zu Goch. Altes erhalten und Neuem nutzbar machen. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1973, S. 153-156.
Weber, Rudolf. Einen kleinen „Busch“ im Wappen. Familie van den Bosch. In: An Niers und Kendel, 3, S. 25-26. Kaufleute und Geldleiher. Familie van den Bosch. In: An Niers und Kendel, Heft 4, S. 20 u. S. 24. Aegidius züchtete Obst. In: An Niers und Kendel, 5, S. 21 u. S. 31. Häuser gebaut. In: An Niers und Kendel, Heft 6, S. 15-16. Im Vierspänner nach Paris. In: An Niers und Kendel, Heft 7, S. 21-22.

Curtius, Friedrich Wilhelm (1782 - 1862)

Als Sohn des Gocher Arztes Caspar Ludwig Curtius heiratete er 1815 Theodore Wilhelmine Pilgrim aus Diez an der Lahn, mit der er elf Kinder hatte.
Sein Vater verlangte von ihm die Erlernung des Apothekerberufs. In derselben Apotheke in Bielefeld wie sein Vater erhielt er die Ausbildung. Aber dieser Beruf gefiel dem jungen Mann nicht, so dass er das Haus heimlich verließ. Mit geliehenem Geld reiste er nach Hamburg und nach Amerika. Nach kurzer Zeit kam er bereits wieder zurück, wohnte 1801 kurz bei seinen Eltern in Goch. Danach arbeitete Curtius in einer Apotheke in Moers und ab 1802 als Buchhalter und Reisender in Duisburg, wo er 1815 eine eigene Handlung von Medizinalwaren und Farbstoffen eröffnete. Am 17. Juni 1824 beantragte er in Duisburg die Errichtung einer chemischen Fabrik zur Herstellung von Schwefelsäure und anderen Chemikalien. Das Werk wurde an der Einmündung der Ruhr in den Rhein errichtet. Es ist das älteste Werk der chemischen Industrie am Niederrhein und des Ruhrgebietes. 1834 waren hier zwölf Arbeiter beschäftigt. 1838 gründete er noch eine Sodafabrik, 1840 folgte eine Alaun- und Tonerdesulfatfabrik, 1848 eine Chlorfabrik, 1849 eine Ultramarinfabrik.
Curtius war 1831 Mitbegründer der Duisburger Handelskammer. Er starb am 12. Februar 1862 im Alter von 80 Jahren.
Sein Bruder Anton Ludwig, geboren am 10. September 1780 in Goch, war in Duisburg Seifenfabrikant. Ein Friedrich Curtius gehörte dem Vorstand der Sonntags- bzw. Handwerkerfortbildungsschule in Duisburg an. Julius Curtius, Sohn von Friedrich Wilhelm, war Kommerzienrat und Begründer der neuzeitlichen chemischen Industrie am Niederrhein. Von 1868 bis 1875 war er stellvertretender Präsident und von 1876 bis 1879 Präsident der Handelskammer Duisburg. Ein Nachfahre von Friedrich Wilhelm Curtius war 1929/30 Reichsaußenminister - Dr. Julius Curtius.

Literaturhinweis:
Berg, Carl vom. Beiträge zur Geschichte der Familie Curtius. 1923.
Burkhard, Wolfgang (Hrsg.). Niederrheinische Unternehmer. 111 Persönlichkeiten und ihr Werk. Duisburg.
Burkhard, Dr. Wolfgang. Die Kammer und ihre Präsidenten. Die 22 Präsidenten der in der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer zusammengeschlossenen Kammern bis zur Gegenwart sowie deren Hauptgeschäftsführer (Duisburg, Wesel, Ruhrort, Duisburg, Wesel, Kleve). In: Niederrhein Kammer. Zeitschrift Industrie- und Handelskammer Duisburg. 1981, Heft 9, S. 582-585.
Friedrich Wilhelm Curtius. Mitbegründer der deutschen chemischen Industrie. In: Niederrhein Kammer. Zeitschrift Industrie- und Handelskammer Duisburg. 1981, S. 525.Niederée, Wilhelm. Friedrich Wilhelm Curtius - Vor 200 Jahren in Goch geboren. In: An Niers und Kendel, Heft 7, S. 19-20.

Eich, Peter (1837 - 1919)

Landrat des Kreises Kleve, Geheimer Regierungsrat

Fonck, Martin Franz (1779 - 1865)

Martin Franz Fonck, geboren am 20.3.1779 in Goch, gestorben am 10.6.1865,  führte ein recht aktives Leben, liebte die Jagd und vermachte das Foncksche Stammhaus in der Voßstraße milden Stiftungen (Martin-Franz-Waisenhaus). Mehrfach richtete Fonck in seiner Wohnung eine Suppenanstalt für etwa 600 schulpflichtige Kinder ein. Fonck war 1832 Ölmüller, königlicher Mühlenbesitzer und führte ein Ölhandlung in der Herzogenstraße. Martin Franz Fonck besaß die Susmühle und eine Windmühle auf dem Lemptschen Feld. Martin Franz Fonck war von 1833 bis 1858 Steuereinnehmer für Goch, Pfalzdorf und Asperden, war Mühlenbesitzer und betrieb einen Ölhandel. Er besaß die Susmühle und eine Windmühle im Lemptschen Feld. Von 1830 bis 1837 saß er als Abgeordneter 3. Standes für den Wahlkreis Kleve im Provinziallandtag in Düsseldorf. Außerdem war er Landtagsabgeordneter in Berlin, zeitweilig Alterspräsident des Landtages. Seit Jahren war in Goch die Errichtung einer Anstalt für verwahrloste Knaben geplant. Bisher fehlten noch die Geldmittel und ein Gebäude. Martin Franz Foncks letzter Wille war die Errichtung eines solchen Stiftes. Gemäß seinem letzten Willen stiftete seine Schwester, Frl. Josephine Fonck (1800-1876), am 16. Oktober 1865 vom Vermögen des Bruders die beiden Häuser an der Herzogen- und Voßstraße sowie Mobilien und Kapital zur Errichtung eines katholischen „Waisenhauses für verwaiste und verwahrloste Knaben“ (Martin-Franz-Stift). Er starb am 10. Juni 1865 als Junggeselle in Goch.

Literaturhinweise:
Kindergarten/Hort Martin-Franz-Stiftung. um 1992.
Torunsky, Vera. Die Abgeordneten der Rheinischen Provinziallandtage und Landschaftsversammlungen. Band 1. Die Abgeordneten der Provinziallandtage und ihre Stellvertreter 1825-1888. Landschaftsverband Rheinland, Band 12, Köln, 1998.

Fonck, Martin Wilhelm (1752 - 1830)

Martin Wilhelm Fonck wurde am 28. Oktober 1752 in Goch als Sohn eines Gutsbesitzers und Kaufmanns geboren. Nach seiner Priesterweihe am 4. Juni 1776 in Köln war er als Vikar ab dem 15. Mai 1781 seelsorgerisch in Goch und später als Kanonikus in Kranenburg tätig, bis ihn der Bischof Marcus Antonius Berdolet am 20. Mai 1803 zum ersten Generalvikar des neuen Bistums Aachen ernannte. Nach der Aufhebung des Bistums Aachen im Jahre 1825 wurde Fonck Domprobst in Köln, wo er am 28. Juni 1830 starb. Fonck erwarb sich große Verdienste bei der Neuordnung der kirchlichen Verhältnisse und der Belebung des Glaubens .

Testamentarisch vermacht Fonck u.a. einen größeren Geldbetrag den Armen in Goch sowie einen Kapitalfonds für Studenten. Im jährlichen Wechsel werden drei Gruppen begünstigt: zunächst für Gymnasial- und Universitätsstudien, Studierende aus der Familie Fonck bis in die sechste Generation, Stipendien für Priesteramtskandidaten der Diözese Münster und für das Kölner Priesterseminar und schließlich ein Benefizium für Priester.

Wegen seiner Verdienste wird 1953 in Goch eine Straße nach Martin Wilhelm Fonck benannt.

Literaturhinweise:
Haas, Reimund. Martin Wilhelm Fonck (1752-1830). Kanoniker, Generalvikar und Domprobst. In: Christen zwischen Niederrhein und Eifel - Lebensbilder aus zwei Jahrhunderten, 1993, S. 103-128.
Haas, Reimund. Der Aachener Generalvikar Martin Wilhelm Fonck. In: Franzosen am Niederrhein 1794-1814. Katalog anlässlich der Ausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte der Stadt Goch vom 9. Oktober bis 27. November 1994, S. 44-47.
Schiffers, Dr. H. Der Gocher Martin Fonck (1752-1830). Niederrhein-Heimatbeilage Nr. 35 vom 25.9.1931, Nachdruck S. 137.

 

Hartog, Louis (1848 - 1939)

Louis (oder auch Ludwig) Hartog, Spross einer alteingesessenen jüdischen Gocher Familie, war am 4. Mai 1848 in Goch geboren und starb am 9. April 1939 in Goch. 1874 heiratete er die jüdische Mitbürgerin Wilhelmine Rosenheim, deren Bruder der Stadt einen hohen Geldbetrag vermachte. Hartog betrieb als Fabrikant an der Herzogenstraße eine Lederwarenfabrik. Er wurde 1898 Stadtverordneter, sprache mehrere Stiftungen für seine Mitbürger und das Wilhelm-Anton-Hospital aus. Hartog gründete die Anna-Hartog-Stiftung, die nach seiner Tochter Anna benannt wurde. Die Stiftung war für bedürftige Handwerker bestimmt, die unschuldig in Not geraten waren oder unterstützte Innungsmitglieder, die sich selbständig machen wollten.
Für seine Verdienste um die Stadt Goch und als Mitbegründer der "Anna-Hartog-Stiftung" erhielt der Lederfabrikant am  4.5.1928, anlässlich seines 80. Geburtstages den Ehrenbürgerbrief der Stadt Goch. Hartog war aktiv im Karneval und Ehrensenator der Gocher Karnevalsgesellschaft.
Als sich nach der Machtübernahme der Nazis das Leben für die Gocher Juden änderte und sie systematisch aus dem öffentlichen Leben herausgenommen wurden, gab Louis Hartog seinen Ehrenbürgerbrief an die Stadt Goch zurück.
Louis Hartog machte im Juni 1938 einen Ausflug in die Niederlande und kehrte nicht mehr zurück. Er hatte bereits einen Teil seines Vermögens ins Ausland transferiert. Ein Jahr später starb er 91-jährig in der Fremde.
Ihm zu Ehren benannte die Stadt Goch 1957 eine Straße in Hartog Straße.
Die Familie ist mit Albert Einstein verwandt.

Literaturhinweise:
Niederée, Wilhelm. Louis Hartog. Gocher Fabrikant, Stadtverordnete, Ehrenbürger und Wohltäter wurde vor 150 Jahren geboren. In: An Niers und Kendel Heft 34/1998, Seite 31-32.
Loosen, Kurt. Die Ehrenbürger der Stadt Goch. In: An Niers und Kendel , Heft 19, 1988, Seite 30-31.

Dr. Heveling, Julius (1842 - 1909)

Dr. Julius Heveling (geb. 3.12.1842 in Haldern bei Rees und gest. am 25.1.1909 in Pfalzdorf) absolvierte die niederen Studien an der Rektoratsschule zu Rees und im Collegium Augustinianum zu Gaesdonck und studierte zu Innsbruck Philosophie und Theologie. Sein Seminarjahr verbrachte er zu Münster; dort wurde er auch am 3. Oktober 1867 zum Priester geweiht. Zunächst war er in der bischöflichen Studienanstalt zu Gaesdonck im Lehramt tätig. Nach Vollendung seiner philosophischen Studien in Bonn war er zwölf Jahre hindurch Rektor der katholischen Lateinschule zu Berlin. Dort und in der Umgebung hatte er mit steter Bereitwilligkeit auch in der Seelsorge Aushilfe geleistet, bis er im Jahre 1885 von seiner Bischöflichen Behörde als Kaplan nach Kleve berufen wurde. Nach achtjährigem Wirken wurde er am 8. März 1893 zum Pfarrer von Pfalzdorf ernannt und bald mit der Ortsschulinspektion betraut. Mehr als 15 Jahre war er der St. Martinus-Gemeinde ein treuer und besorgter Hirte und Seelsorger, den Lehrpersonen väterlicher Freund und Berater, den Kindern ein liebevoller Lehrer. Vom Jahre 1896 bis 1908 war er Vertreter des Kreises Kleve im preußischen Abgeordnetenhause und nahm als Freund der Lehrer regen Anteil an der Beratung des grundlegenden Besoldungsgesetzes vom 3. März 1897. Trotz seiner Gelehrsamkeit und des hohen Ansehens, das er in weiten Kreisen genoss, war Bescheidenheit sein Panier. Demut und Nächstenliebe waren fast stets die Leitsterne seiner tiefdurchdachten Predigten.
1946 wurde in Pfalzdorf die Bedburger Straße, die in der NS-Zeit Dr. Göbbels-Straße hieß, nach ihm benannt.

Horseling, Gerd (1903 - 1992)

Gerd Horseling (15.4.1903-22.3.1992) spielte in der Gocher Politik als Kommunist eine größere Rolle. 1930 wurde er Stadtverordneter der KPD und von 1932 bis 1933 war er sogar Reichstagsabgeordneter in Berlin. Nach dem Brand des Reichstages in Berlin wurden viele Kommunisten von den Nationalsozialisten verhaftet. Darunter befand sich auch Horseling, der nach einem Gefängnisaufenthalt für einige Zeit in das KZ Sonnenberg gesperrt wurde. Nach dem Krieg war Horseling Gocher Ratsmitglied, und zwar bis 1952 für die KPD und von 1964 bis 1974 für die SPD. Gerd Horseling wurde 1956 Geschäftsführer der Gewerkschaft IG Bau, Steine und Erden für Kleve-Geldern und später deren Vorsitzender. Erst 1968 ging Horseling in den Ruhestand.

Literaturhinweise:
Distelkamp, Ludger: Die Leidenschaft hat er bewahrt: Gerd Horseling: In: Rund um den Schwanenturm. Zeitschrift des Klevischen Verkehrs- und Heimatvereins e.V., Nr. 2, 1988, S. 6.
Loosen, Jürgen. Ein ungewöhnliches Politikerleben - Gerd Horseling eckte aus Überzeugung überall an. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1983, S. 46-48.
N.n. Gerd Horseling - Ein Leben für die Einheitsgewerkschaft. Die gerade Linie beibehalten. Lebenserinnerungen von Gerhard Horseling. WI-Verlag Gmbh, Reihe: Texte zur Zeitgeschichte .
N.n. Bauarbeiter im Widerstand: Zeitzeugen berichten: Herausgeber. Bundesvorstand der IG Bau-Steine-Erden.
Werner, Horst. Gerd Horseling, Erinnerungen, Reihe: Gocher Schriften 4, 1981.

Horstermans, Franz Christoph (1768 - 1853)

Franz Christoph Horstermans (geb. 8. Dezember 1768 in Grubbenvorst/Venlo, gest. 29.9.1853 in Goch-Kessel) wurde zwei Jahre nach der Priesterweihe im Jahre 1794 Vikar und Beichtvater und später Rentmeister im adeligen Stift Neukloster. Nach der Aufhebung des Klosters Graefenthal durch die Franzosen im Jahre 1802 wurde Horstermans auf Wunsch der Stiftsdamen zum Verwalter des verbliebenen Stiftsvermögens bestimmt. Der Pastor verwaltete nicht nur das ihm anvertraute Kapital, sondern vermehrte es auch. Nach dem Tod der letzten Stiftsdame war Horstermans alleiniger Eigentümer des Vermögens. Am Totenbett verfasste der Pastor mit Hilfe des Bischofs ein Testament. Universalerbe wurde das katholische Hilfspriester-Seminar Gaesdonck. Daneben erhielten die vier Pfarrstellen von Kessel, Asperden, Hassum und Hommersum Dotierungen aus den Erträgen der an die "Gaesdonck" vermachten Grundstücke für Zwecke zum Wohle der Kirche und der Wohltätigkeit. Außerdem war im Testament ein Fond für eine Familienstiftung, die sog. Horstermans-Stiftung zur Ausbildung von Priestern, vorgesehen. Diese Stiftung wurde ausschließlich für Nachfahren seiner vier Schwestern (Helena Verheyen, Gertrud Geraerts, Agatha Verhaag und Maria Peters) bestimmt, die geisteswissenschaftliche und geistliche Berufe, z.B. die katholische Theologie, studieren wollten. Der Fond wurde so reichlich dotiert, dass von jeder der vier Familien gleichzeitig bis zu drei Söhne Unterstützungen erhalten konnten.
Pastor Horstermans gehörte übrigens im Jahre 1848 im Alter von fast 80 Jahren zu den Wahlmännern, die einen Abgeordneten und seinen Stellvertreter für die deutsche Nationalversammlung in Frankfurt zu wählen hatten. 1852 erhielt Horstermans zum 60-jährigen Priesterjubiläum vom Landrat von Haeften den königlichen Roten Adler-Orden vierter Klasse verliehen.
Zur Erinnerung an die Tätigkeiten des weitsichtigen Geistlichen erhielt im Jahre 2000 eine Straße im Neubaugebiet Kessel-Ost den Namen „Horstermanscamp".

Literaturhinweise:
Die St. Stephanus-Kirche zu Kessel - gestern und heute. 1998.
Müskens, Gerd; Niederée, Wilhelm. Priester und Geschäftsmann. Zum bevorstehenden 150. Todestag von Pastor Franz Christoph Horstermans. In: An Niers und Kendel, 38, S. 20-24.

Houben, Hubert (1898 - 1956)

Der am 24.02.1898 in Goch geborene Leichtathlet war dreizehnmal Westdeutscher Meister, neunmal Deutscher Meister, zweimal englischer Meister und gehörte der deutschen 4-mal-100m-Staffel an, die 1928 mit 40,7 Sekunden Weltrekord lief und in Amsterdam eine Silbermedaille gewann.
Die Gocher setzten dem Sportler ein Denkmal, indem sie das Sportgelände an der Marienwasserstraße "Hubert-Houben-Stadion" nannten. Ebenso erfolgte in Krefeld, wo er im Sportverein "Preußen Krefeld" seine größten Erfolge hatte, die Benennung eines Sportplatzes. Er verstarb am 9. November 1956 in Krefeld.

Literaturhinweise:
Bäcker, Thomas. Gocher bezwang Olympiasieger. Hubert Houben schlug die Sprinterelite. In: ANuK 28, S. 27-28.
Lenz, Dr. Paul (Hrsg.). 11 unserer besten Deutschen Leichtathleten. Ihr Lebenslauf bis zum Beginn ihrer sportlichen Laufbahn, ihre sportliche Entwicklung, ihr Training, ihre Technik und ihre Erfolge. 1926. Darin: Houben, Hubert. Lebenslauf, meine sportliche Entwicklung, Training, Technik und Erfolge. Meine Jugendzeit, vom Anfänger zum Deutschen Meister, S. 1-23.

Idem, Josefa (geb. 1964)

Josefa Idem, geboren am 23 September 1964, in Goch.
Josefa Idem startete bei sieben Olympischen Spielen. 1984 und 1988 vertrat sie die Bundesrepublik Deutschland, danach startete sie für Italien. Seit 1990 wohnt sie in Santerno, Ravenna, Italien. Seit 1992 ist sie italienische Staatsbürgerin. Olympiasiegerin in Sidney 2000 im Kajak der Frauen für Italien .

Weitere Informationen: http://www.josefaidem.info/

Hl. Janssen, Arnold (1837 - 1909)

Ordensgründer und Vorläufer der Entwicklungshilfe
5. November 1837, Goch bis  15. Januar 1909, Steyl
Gedenktag im Kirchenjahr: 15. Januar

Am 5. November 1837 erblickt Arnold Janssen in Goch als zweites von elf Kindern das Licht der Welt. Als Fuhrmannssohn besuchte Arnold Janssen nach der Volksschule als einer der ersten Schüler das noch heute bestehende Bischöfliche Gymnasium "Collegium Augustinianum Gaesdonck" bei Goch. Anschließend studierte er in Münster und Bonn. Nach der Priesterweihe war er zunächst in Bocholt als Gymnasiallehrer tätig. Wegen des Kulturkampfes kündigte Arnold Janssen 1873 seine Lehramtstätigkeit als Konrektor der Höheren Bürgerschule und kam dann nach Kempen. Hier bewies er mit der Herausgabe der Zeitschrift "Kleiner Herz-Jesu-Bote" erstmals seine Weitsicht auf dem Gebiet des Pressewesens, das in der Katholischen Kirche damals völlig unterbewertet wurde. Gleichzeitig spürte er, dass sein Engagement für den Missionsgedanken im Deutschen Reich des Jahres des Bismarckschen "Kulturkampfes" keine Chance auf Erfolg hatte.Kurz entschlossen wagte er den Sprung über die Grenze nach den Niederlanden, wo er 1875 das Missionshaus Sankt Michael in Steyl an der Maas gründete. 1889 folgte von ihm die Gründung der Kongregation der Missionsschwestern und 1896 die Abteilung der Klausurschwestern.

Pater Arnold Janssen wurde 1975 durch Papst Paul VI. seliggesprochen. In diesem Jahr hat die Gesellschaft des Göttlichen Wortes in 32 Ländern 5.300 Mitglieder, 4.470 Missionsschwestern und 300 Beterinnen als Klausurschwester.
1977 wurde in Goch der Seelsorgebezirkes Arnold Janssen in der Voßheide auf Vorschlag des Bischöflichen Generalvikariats gegründet und am 31.10.1982 in Goch die Arnold-Janssen-Kirche durch Regionalbischof Dr. Ludwig Averkamp geweiht und eine neue katholischen Kirchengemeinde nach Abtrennung von der Pfarre St. Maria Magdalena gegründet.
Im Jahre 2003 wurde Pater Arnold Janssen vom Papst Johannes Paul II. in Rom heilig gesprochen.

Literaturhinweise (Auswahl):
Alt, Josef SVD. Arnold Janssen. Lebensweg und Lebenswerk des Steyler Ordensgründers, 1999.
Bolpert, Schwester Assumpta. Des Königs Banner weht voran! Pater Arnold Janssen. Stifter des Steyler Missionswerkes. Der Jugend erzählt. 1937.
Bornemann, Fritz. Arnold Janssen der Gründer des Steyler Missionswerkes 1837-1909, 1969.
Bornemann, Fritz. Erinnerungen an P. Arnold Janssen. Gründer des Steyler Missionswerkes, 1974.
Fischer, H. Priester S.V.D. Arnold Janssen. Gründer des Steyler Missionswerkes. Ein Lebensbild, 1919.
Haltermann, Udo. Arnold Janssen: Ein Glaubender geht seinen Weg.
Hümmeler. P. Arnold Janssen, 1957.
Kasbauer, Schwester Sixta. Arnold Janssen. Ein Gottesmann für unsere Zeit, 1948.
N.N. Es begann an der Maas. 100 Jahre Steyler Missionare. Steyler Verlag Sankt Augustin, 1975.
Volpert (Bolpert?), Schwester Assumpta. P. Arnold Janssen. Gründer des Steyler Missionswerkes, 1954.

Janssen, Theodor (1850 - 1927)

Theodor Janssen wurde anlässlich seines 75. Geburtstages und „in Anerkennung seiner Verdienste, des unermüdlichen Eifers und der hervorragenden Erfolge für das Wohl aller Bevölkerungsklassen der Stadt Goch sowie zum Beweis der Dankbarkeit der gesamten Bürgerschaft" am 14. August 1925 von der Stadtverordnetenversammlung zum Ehrenbürger der Stadt Goch ernannt. Theodor Janssen (14.8.1850 - 4.5.1927) war Guts- und Brauereibesitzer, besuchte die höhere Bürgerschule, diente beim Militär im Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment, nahm am Feldzug 1870 / 71 teil und war seit 28 Jahren ununterbrochen Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Als erster Beigeordneter der Stadt Goch in der Zeit von 1898 bis 1923 führte er vier Bürgermeister ein. Außerdem war Janssen 25 Jahre 1. Vorsitzender der Molkereigenossenschaft Goch. In Goch wurde eine Straße, die Theodorstraße, nach ihm benannt.

Literaturhinweis:
Loosen, Kurt. Die Ehrenbürger der Stadt Goch. In: An Niers und Kendel, Heft 19, 1988, Seite 30-31.

Jurgens, Rudolf (1875 - 1954)

Rudolf Jurgens gehörte mit seinen Brüdern und Vettern zur Generation der Familie Jurgens, die etwa von 1890 bis zum Zusammenschluss von Jurgens und van den Bergh Ende der 1920-er Jahre in Deutschland, Niederlande, Großbritannien und Frankreich gewirkt hatte. Rudolf Jurgens hatte persönlich auf die Entwicklung der Fabrik und Verbesserung der Margarine und deren Ausdehnung zum Großbetrieb entscheidenden Einfluss. Er wurde 1875 in Oss bei Nijmegen als Sohn eines der Gründer der Jurgens-Fabriken geboren und trat 1893 bei der Firma in Oss ein, machte größere Reisen nach Nordafrika und arbeitete mit an den Vorbereitungen für eine Fabrikgründung in Merksem bei Antwerpen. Rudolf Jurgens war verheirat mit Maria Prinzen, Tochter des Buttergroßhändlers Wilhelm Prinzen in Helmond/Niederlande, Teilhaber der Firma Jurgens & Prinzen in Goch. Als Direktor bei den Margarinewerken Jurgens & Prinzen (ab 1895) organisierte Rudolf Jurgens in Goch das Verkaufsgeschäft. Unter seiner Federführung entwickelte sich die Firma für den deutschen Markt zum Hauptabnehmer. Margarine wurde ein Markenartikel mit Gocher Spezialmarken Solo, Rheinperle, Cocosa und Rahma / Rama. Rudolf Jurgens war auch maßgeblich an der Gründung bzw. Übernahme anderer Firmen, z.B. A. L. Mohr in Hamburg-Bahrenfeld, Margarinefabriken Krefeld, Neuss und Emmerich, Ölwerke Germania Emmerich, Ölfabrik Spyck, Fassholzfabrik Warstein, Ölfabrik Zwijndrecht / NL, Margarinefabrik Purfleet in England, Niederrheinische Ölwerke Goch, Palminfabrik Schlinck in Hamburg-Wilhelmsburg und Ölfabrik Asnieres bei Paris, beteiligt.
Von 1938 bis 1941 war Rudolf Jurgens Vizepräsident des Unilever-Konzerns. Er starb am 19. Oktober 1954 und wurde auf dem Friedhof der Heilig-Land-Stichting bei Nijmegen beigesetzt.

Literaturhinweise:
Adelmeier, Erna. Oss, die Heimat der Margarine. 100 Jahre in der Entwicklung einer berühmten Industrie. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1972, S. 57-61.
Bartmann, Dr. H. Die Margarinewerke in Goch. In: Der Niederrhein 2/1914, S. 145-149.
Feldkamp, Dr. Jörg. Ein Jubiläum wird 70. Randbemerkungen zur Geschichte der Margarine in Goch. In: An Niers und Kendel. Heft 9/1983, S. 11-14, Heft 21: 1989, S. 20 - 22 und S. 28 - 30.
Hendricks, Barbara Anne. Die Margarineindustrie am unteren Niederrhein im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation, Bonn, 1981.
Hendricks, Dr. Barbara. Die Anfänge der van den Bergh's Margarinegesellschaft m.b.H., Kleve. Eine Erinnerung zum 100jährigen Jubiläum. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1988, S. 49-53
Niederée, Wilhelm. Als Goch „Margarine-Stadt" war. Vor 100 Jahren wurden in Goch die Holländischen Margarine-Werke Jurgens & Prinzen gegründet. In: An Niers und Kendel, Heft 20/1988, S. 1-14, Heft 21, 1989, S. 20-22 u. S. 28-30.

Klein, Jean (Johann Rudolf) (1871 - 1951)

Jean (Johann Rudolf) Klein (geboren am 5.1.1871 in Kleve, gestorben am 17.3.1951 in Goch) fing Ende 1912 bei den Margarinewerken Jurgens & Prinzen an und wurde als Naturfreund Mitglied der „Fahrenden Gesellen". Er war ein Natur- und Heimatfreund und förderte die Jugend. Klein leitete um 1914 die Jugendwehr, war aktiv im Turnverein 1883 Goch, Mitglied im Elferrat des Gocher Karnevalvereins und öffnete die Ortsgruppe Goch der „Fahrenden Gesellen", die bis dahin nur für kaufmännische Angestellte zugänglich war, für alle Berufe. 1921 erhielten die „Fahrenden Gesellen" von der Stadt das Steintor zugewiesen. Jean Klein, der im Nachbarhaus wohnte, richtete 1921 mit den „Fahrenden Gesellen" im Torhaus ein kleines Museum ein. Klein steuerte etwa 95 % der „Raritäten" aus seiner eigenen Sammlung bei.
Die „Fahrenden Gesellen" richteten im Steintor auch eine Jugendherberge ein. „Papa Klein", wie die Gocher Jean Klein bald nannten, war auch maßgeblich an der Einführung des ersten Martinszugs in Goch im Jahre 1921 beteiligt. Klein war 1923 auch Gründungsmitglied der Theater- und Klampfengruppe „Thekla-Edelweiß", aus dem sich der Verein „Mandolinenfreunde Goch" entwickelte. 1932 gründete der Verkehrsverein Goch eine Wandergruppe unter Führung von Jean Klein als Wegewart und Wanderführer. In Erinnerung an die zahlreichen Aktivitäten von Jean Klein benannte die Stadt Goch einen Teil des Nierswanderweges 1971 „Papa-Klein-Wanderweg".
Anfang 2009 wurde von den Nachfahren Kleins eine Stiftung „Klein" gegründet. Aus den Erträgen der Stiftung fließen künftig jährlich größere Beträge zur Erhaltung des „Papa-Klein-Nierswanderweges" (4.000 Euro) und für das Gocher Martinskomitee (1.000 Euro).

Literaturhinweis:
Festschriften: 50 Jahre Mandolinenfreunde Goch 1923. 60 Jahre Gocher Mandolinenfreunde 1923. 75 Jahre Mandolinenfreunde 1923 Goch . 1923-1998.
Brehm, Walter. Die fahrenden Gesellen aus Goch und Papa Klein. Vereinsschrift November 1995.
Eickels, Klaus van. Die Fahrenden Gesellen. Bund für Wandern und Leben im DHV - Ortsgruppe Goch 1909 - 1929. 1979.
Hoppmann, Hans. "Papa Klein" än "dänn Steen ant hoge Pättje!". In: KAB Asperden 1986, S. 58-59.
Niederée, Wilhelm. "Papa" Klein. Begeisteter Heimat- und Naturfreund - mitreißender Förderer der Jugend. In: An Niers und Kendel, Heft 26, 1992, S. 25-26.

Langenberg, Ferdinand (1849 - 1931)

Am 7. April 1849 wurde Ferdinand Langenberg im elterlichen Haus in Goch am Steintor geboren. Sein Vater war Kupferschläger und betrieb am Steintor eine Werkstatt. Seine Vorfahren, die aus Kalkar stammten, waren Handwerker. Die Lehre hat er vermutlich in Boxmeer/Niederlande abgeleistet. Als Geselle ging Langenberg anschließend in die Bildhauerwerkstatt des bekannten Meisters Friedrich Wilhelm Mengelberg nach Aachen. Später zog es Ferdinand Langenberg zu Studienzwecken in die Kunstmetropole München, wo er 1873 auf der Kunstausstellung eine Goldmedaille erhielt. Mit 24 Jahren zog es ihn "auf die Walz", wie es früher bei Handwerksburschen üblich war. Es zog ihn nach Italien und vor allem in die heilige Stadt Rom. 1876 kehrte Langenberg in seine Heimatstadt Goch zurück, wo er 1877 mit seinem Bruder Aloys in der Roggenstraße eine Bildhauerei eröffnete. Das Backsteinhaus mit der Werkstatt stattete Ferdinand Langenberg um 1880 mit einem Zierfachgiebel aus. Das Zierfachwerk des Gebäudes in der Roggenstraße zeigt einen fünfteiligen Figurenfries mit dem seltsamen Spazierritt nach einer Erzählung von Johann Peter Hebel und den Spruch"Allen Menschen recht gethan ist eine Kunst die niemand kann". 1895 beschäftigte die Bildhauereiwerkstatt 21 Handwerker, darunter fünf Figurenschnitzer, acht Ornamentschnitzer und acht Schreiner. Um 1900 arbeiteten hier 30 Gehilfen. Am 17. Februar 1931 stirbt Ferdinand Langenberg im Alter von 82 Jahren.

Literaturhinweise:
Bömer, Dr. med. Walter. Der Bildschnitzer vom Niederrhein. Meister Ferdinand Langenberg. Goch 1991.
Renaissance der Gotik. Ferdinand Langenberg - Neugotik am Niederrhein. Museum Goch 1999.
Sachsse, Ros und Rolf. Ferdinand Langenberg. Bildhauer in Goch. Gocher Schriften, Heft 1, 1978.
Koepp, Hans-Joachim. Der seltsame Spazierritt von Ferdinand Langenberg. In: HKLE 1992, S. 56-59.
Langenberg, Julius. Von der Gotik zur Postmoderne. Die rheinische Bauernfamilie Langenberg. 1991.
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Loe, Felix Max Clemens Marie von (1825 - 1896)

Felix von Loe,  geboren am  23.1.1825 in Düsseldorf, gesorben am. 26.5.1896 auf Schloss Räckelwitz in Sachsen,  verbrachte seine Jugendjahre auf dem Schloss seines Vaters (Schloss Wissen / Weeze). Von Loe studierte in Bonn, Würzburg, Heidelberg und Berlin in den Jahren 1843 bis 1848 Rechtswissenschaft. Er leistete seinen Militärdienst beim 17. Landwehr-Regiment und 1848 beim 7. Ulanen-Regiment ab. Danach übernahm der Freiherr zum 19. Dezember 1851 ein Referendariat in der Bezirksregierung Düsseldorf, wurde 1854 Bürgermeister von Pont und 1859 bis 1867 Landrat von Kleve. Ab 1861 bewohnte von Loe das Haus Terporten in Hassum. 1868 und 1877 war er Präsident des deutschen Katholikentages in Bamberg und Devotionsritter des souveränen Malteser-Ritter-Ordens Bonner Borussia. 1872 war Felix von Loe Mitbegründer und Präsident des Mainzer Vereins der Deutschen Katholiken. Der Verein hatte das Ziel, die Freiheit und die Rechte der Kirche auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens zu verteidigen.
Reichsfreiherr von Loe versicherte 1874 dem Bischof von Münster an der Spitze einer Gruppe katholischer Männer aus den Dekanaten Kalkar, Kleve und Rees trotz des Kulturkampfes seine Treue. Der „Mainzer Verein" wurde von der preußischen Regierung als staatsfeindlich eingestuft und im August des Jahres wurden sämtliche 20 Vorstandsmitglieder einschließlich von Loe zu empfindlichen Geldstrafen verurteilt.
Wegen der Opposition gegen die Maigesetze kam er 1876 / 77 in Wesel in sechsmonatige Festungshaft. Am 5. Juni 1877 wurde er zum päpstlichen Graf der Primogenitur ernannt. Er war eine der wichtigsten Stützen des Katholizismus am Niederrhein.
1882 gründete von Loe den Rheinischen Bauernverein, den er bis 1896 als erster Vorsitzender leitete.
Von 1868 bis 1888 war er für das Zentrum Abgeordneter im rheinischen Provinziallandtag, 4. Stand, von 1870 bis 1876 und 1890 bis 1896 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und von 1867 bis 1873 Mitglied des Reichstages. Außerdem war von Loe 1872 erster Verbandsvorsteher des Wasserverbandes der „Clevischen Niers".

Literaturhinweise:
Klövekorn, Leo. Als vor hundert Jahren ein neuer Landrat nach Kleve kam. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1966, S. 72-76.
Torunsky, Vera. Die Abgeordneten der Rheinischen Provinziallandtage und Landschaftsversammlungen. Band 1. Die Abgeordneten der Provinziallandtage und ihre Stellvertreter 1825-1888. Landschaftsverband Rheinland, Band 12, Köln, 1998.

Lohmann, Adolf (1907 - 1983)

Adolf Lohmann, geboren am 10.1.1907 in Düsseldorf, gestorben am 19.10.1983 in Düsseldorf, war einer der bedeutendsten Komponisten deutscher Kirchenlieder des 20. Jahrhunderts und wirkte als Musikpädagoge in der Hauptsache in Düsseldorf. Als Fachberater für Schulmusik, in der Lehrerfortbildung, in der Chormusikpflege und in der Volkshochschule, als Leiter „offener Singstunden", von Jugendsing-Treffen und Singkreisleiter-Wochen im Haus Altenberg, von Musikkursen und Kirchenlied-Tagungen sowie als Mitarbeiter in der „Werkgemeinschaft Lied und Musik" stellte der erfahrene Pädagoge, Komponist und Chorleiter seine Kraft in den Dienst der Kunst.
Viele Jahre hindurch war Adolf Lohmann als musikalischer Mitarbeiter des Christophorus-Verlags Herder in Freiburg ein kritischer und sachkundiger Herausgeber und Korrektor. Weit über ein Dutzend Lieder- und Chorbücher, insbesondere die gewichtigen Ausgaben des „Kirchenlieds I und II" und die „Weihnachtssingbücher I und II", hat er veröffentlicht.
Die besondere Liebe Adolf Lohmanns gehörte der Kirchenliedpflege und -forschung. Sein Werk umfasst über 150 Lieder, nahezu 30 Kanons und etwa 450 Chor- und Instrumentalsätze. Adolf Lohmann war kein Avantgardist; in seinen mehr als 80 Kirchenliedern knüpfte er an die große Tradition des 16. und 17. Jahrhunderts in progressiver, aber verantwortungsbewusster Weise an. Als Kirchenliedkomponist wurde er insbesondere durch seine Liederbücher, wie z.B. „Das Singeschiff", „Kirchenlied", „Weihnachtssingebuch" und „Altenberger Singebuch" bekannt. Seine Lieder werden konfessionsübergreifend in den Kirchen gesungen und sein Lebenswerk ist in die Geschichte des deutschen Kirchenliedes eingegangen.
Von 1937 bis zum 31. August 1949 wirkte Adolf Lohmann als Musiklehrer an der katholischen Volksschule (Steintor- und St. Georg-Schule) in Goch, wohin er während der Herrschaft der Nationalsozialisten strafversetzt worden war. Er leitete in Goch den Jugendchor der katholischen Jugend. 1999 wird ihm in Goch eine Straße gewidmet.

Monschaw, Rudolph von (1826 - 1911)

Von Monschaw (geb. 25.2.1826 in Unkel, gest. in Goch am 20.3.1911) war seit 29. November 1854 verheiratet mit Henriette Strauven, Nichte des Gocher Bürgermeisters Hermann Joseph Strauven. Der Ökonom und Landwehrhauptmann a.D. von Monschaw war in Friedenszeiten Führer der Landwehrkompanien des Kreises Kleve und im Vorstand (später auch Ehrenvorsitzender) des Gocher Kriegervereins. Er war 19 Jahre Beigeordneter, 25 Jahre Stadtverordneter (Zentrum), zehn Jahre Mitglied des Provinziallandtags und des preußischen Abgeordnetenhauses, über 18 Jahre Mitglied des Kreistags und Vertreter des Landrats sowie 40 Jahre Mitglied des katholischen Kirchenvorstands und 1865 im Kuratorium des Martin-Franz-Stiftes. Von Monschaw war auch einer der 50 Beisitzer des 1882 gegründeten Rheinischen Bauernvereins. Als Gründungsmitglied des Komitees in Rotterdam und Mitglied des Direktoriums der NDBS sorgte er für die Verlegung der Boxteler Bahn über Goch und gab damit der Stadt einen enormen wirtschaftlichen Auftrieb. Er hatte sich um das Wohl der Stadt sehr verdient gemacht. Rudolf von Monschaw war aktiv und einflussreich im politischen, wirtschaftlichen und kirchlichen Leben der Stadt. 1897 erhielt von Monschaw den Roten Adler-Orden 4. Klasse und 1904 den Königlichen Kronen-Orden 3. Klasse, Landwehrdienstauszeichnung 1. Klasse, der Kaiser-Wilhelm-Erinnerungsmedaille sowie der Kriegsgedenkmünzen 1848 und 1870/71. Am 11. März 1902 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Goch und 1904 zum päpstlichen Geheimkämmerer ernannt. Anlässlich der Ernennung zum Ehrenbürger spendete Rudolf von Monschaw 1.500 Mark für gemeinnützige und wohltätige Zwecke.  1996 benannte die Stadt Goch eine Straße nach ihm.

Literaturhinweis:
Loosen, Kurt. Die Ehrenbürger der Stadt Goch. In: An Niers und Kendel, Heft 19, 1988, S. 30-31.

Mosterts, Carl (1874 - 1926 )

Carl Mosterts (28.10.1874 in Goch - 25.8.1926 in der Schweiz) wurde Priester der Jugend und 1. Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands in Düsseldorf. Dort richtete Mosterts das Generalsekretariat für 4.400 Vereine mit 400.000 Mitgliedern ein und gab zahlreiche Zeitschriften heraus. Gemeinsam mit der sozialistischen Arbeiterjugend konstituierte er den „Reichsausschuss der Jugendverbände", dessen erster Vorsitzender er wurde. An der Gründung des Weltbundes der katholischen Jugendverbände „Catholica Juventus" 1921 in Rom war er maßgeblich beteiligt. 1913 wurde Mosterts Generalpräses des Verbands. Im selben Jahr rief er in Bonn den „Zentralausschuss für das Turn-, Spiel- und Wanderwesen in den katholischen Jugendvereinen" ins Leben und gab erstmalig die Zeitschrift „Jugendkraft" heraus. Die Gründung der „Deutschen Jugendkraft, Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen" (DJK) erfolgte am 16. September 1920 beim Katholikentag in Würzburg. Er starb am 25. August 1926 in der Schweiz.
Nach ihm wurde vor dem Zweiten Weltkrieg in Goch eine Straße und das katholische Jugendheim am Markt benannt.

Literaturhinweis:
Mosterts, Heinz. Carl Mosterts. Priester und Organisator. In: An Niers und Kendel, Heft 4/1980, S. 21.
Wothe, Franz Josef. Carl Mosterts. Ein Leben für die Jugend. Kevelaer, 1959.

Kaiser Otto III. (980 - 1002)

6. Juni 980, Reichswald bei Kessel - 24. Januar 1002, Paterno am Monte Soratte, Italien

Am 6. Juni 980 brachte Prinzessin Theophanu auf der Reise von Aachen nach Nimwegen im Ketelwald (Reichswald) zwei Kinder auf die Welt. Das Mädchen starb bei der Geburt. Der Sohn Otto wurde später Kaiser Otto III. Ob die Niederkunft Theophanus bei Kessel bei Goch erfolgte, ist umstritten. Der dreieinhalbjährige Otto wurde am 25. Dezember 983 nach dem Tod seines Vaters, Otto II. zum Thronfolger gekrönt. Seine Mutter Theophanu führte zunächst die Regierungsgeschäfte. Am 18. Dezember 996 ließ sich der nunmehr mündige Otto auf dem Reichstag in Sohlingen von seinem Verwandten und durch ihn ins Amt gebrachten Papst Gregor V. zum Kaiser krönen. Der junge Kaiser Otto III. starb bereits am 24. Januar 1002. Er wurde im Aachener Dom beigesetzt. Sein Nachfolger war Heinrich II.

Literaturhinweise:
Huyskens, Viktor. Die Geburtsstätte des Kaisers Otto III. In: Annalen Nr. 33, 1879, S. 50-105.
Leinung, Friedrich. 980 Otto III. im Reichswald geboren. In: HKLE 1980, S. 14-16.
Puhle, Matthias (Hrsg.). Otto der Große, Magdeburg und Europa.
Schneidemüller, B.; Weinfurter, S. (Hrsg.) Ottonische Neuanfänge.
Thomas, Heinz. Kaiser Otto III. Eine Skizze. Gocher Schriften 2, 1980.
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Pupper, Johann (1401 - 1475)

Um 1401 wurde in Goch Johann Pupper, vermutlich auf der Voßstraße, geboren. Johann Pupper, auch Capupper genannt, gründete 1459 als Theologe das Augustiner-Kanonissen- Kloster Thabor in Mechelen nach den Regeln des Nicolaus von Cues, der zu den Brüdern vom gemeinsamen Leben gehört.
Pupper widmete sich in reiferen Jahren der theologischen Wissenschaft und befasste sich mit damals akuten theologischen Fragen. Puppers Veröffentlichungen wurden erst in der Reformationszeit gewürdigt, wodurch er als Vorreformator und Mystiker bekannt wurde.
Dogmatisch stand Johann Pupper in der Rechtfertigungslehre noch ganz auf mittelalterlichem Boden, in der Schriftlehre, wo er das Mönchtum und die doppelte Sittlichkeit bekämpfte, befand er sich auf der Schwelle zur Reformation. .
1473 veröffentlichte Johann Pupper seine bedeutendste Schrift „De libertate christiana". Martin Luther berief sich u.a. auf Johann Pupper, der am 28. März 1475 in Mechelen verstarb.

Literaturhinweise:
Bartz, Walter. Johann von Goch. Ein "Reformator" vor der Reformation? In: Rund um den Schwanenturm Nummer 23 vom 13.6.1931.
Bergrath, Dr. P. Johannes von Goch - Ein Beitrag zur Geschichte derselben. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein , Heft 2, 1. Jahrgang, 1855, S. 276-284.

Dr. med. Rademacher, Johann Gottfried (1772 - 1850)

Dr. Rademacher wurde in Hamm, Westfalen, am 6. August 1772 geboren. Nachdem er von 1795 bis 1797 in Kleve als Arzt arbeitete, ließ sich Dr. Johann Gottfried Rademacher am 19. April 1797 in Goch nieder und eröffnete eine Arztpraxis. Er wirkte 53 Jahre lang bis zu seinem Tod am 9. Februar 1850 als angesehener Stadtphysikus und Armenarzt in Goch. Während der französischen Zeit war der Arzt auch Distriktarzt für den Kreis Kleve. 1846 legte Dr. Rademacher die Stelle als Armenarzt nieder und zwei Jahre später auch seine Tätigkeiten am Kranken- und Waisenhaus.

Dr. Rademacher veröffentlichte zahlreiche medizinische Aufsätze und Bücher. Berühmt ist er durch die 1841 publizierte und vielbeachtete Erfahrungsheillehre, die auf Paracelsus’ Signaturenlehre fußte, geworden. Dieses Hauptwerk in zwei Bänden umfasste 1.600 Seiten. Der Gocher Arzt führte eine moderne, wissenschaftliche und praktische Medizin auf Grundlage der reinen verstandesrechten Empirie ein.

In Goch empfand Dr. Rademacher den Mangel an geistiger Anregung schmerzhaft: „Kein Schatten geistiger Kultur herrscht hier, alle Künste und Wissenschaften sind Konterbande“.

Rademacher war Feind allen Prunkes und äußeren Glanzes. Seine Bescheidenheit drückte sich auch in seiner einfachen Kleidung aus, zuweilen trug er wegen der Kälte Holzschuhe.

Zum 50-jährigen Doktorjubiläum erhielt Dr. Rademacher den Roten Adlerorden IV. Klasse. Diesen Orden hat er niemals getragen. Der Verein Berliner Ärzte ehrte Rademacher durch die Übersendung eines Diploms zum außerordentlichen korrespondierenden Mitglied.

Dr. Rademacher war einer der populärsten Persönlichkeiten damaliger Zeit zwischen Rhein und Maas. Die Bevölkerung liebte diesen Menschen wegen seiner Uneigennützigkeit, Hilfsbereitschaft sowie Offen- und Bescheidenheit.

Sein Grabmal befindet sich auf dem ehemaligen Friedhof an der Ecke Kalkarer/Pfalzdorfer Straße. Zur Erinnerung an diese Persönlichkeit hat die Stadt Goch ein Denkmal errichtet. Dieses Denkmal, Dr. Rademacher als Büste, steht heute vor dem Wilhelm-Anton-Hospital. Außerdem ist eine Straße in Goch nach ihm benannt.

Literaturhinweise:

Ante, Jürgen. Dr. Johann Gottfried Rademacher. Arzt in Goch von 1797 bis 1850. In: An Niers und Kendel, Heft 36, S. 1-7, 2000.

Bergrath, Dr. Dr. Johann Gottfried Rademacher, Arzt in Goch. Eine biographische Skizze. Berling, 1850.

Kisters, Heinz. Johann Gottfried Rademacher der Begründer der Erfahrungsheillehre. 1951.

Koepp, Hans-Joachim. „...ein tüchtiger und qualifizierter Doctor Medicinae“. Über die ärztliche Betreuung der Pfälzer auf der Gocher Heide. Einrichtung einer Arztstelle zu Pfalzdorf im Jahre 1792? In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1993, S. 149-154.

Krack, Dr. med. Niels. Dr. Johann Gottfried Rademacher. Sein Leben, seine Lehre, seine Heilmittel und wir, 1984.

Oehmen, Dr. Franz. Joh. Gottfried Rademacher, seine Erfahrungslehre und ihre Geschichte, 1900.

Paal, H. Johann Gottfried Rademacher. Ein Lebensbild des berühmten Gocher Arztes. In: Westfälische Lebensbilder, Heft 3, Band III; 1934, zitiert und wiederabgedruckt: Niederrhein-Heimatbeilage, S. 273-275, 277-278.

Paal, Dr. Hermann. Johann Gottfried Rademacher (1772-1850).Arzt in Goch und seine Erfahrungsheillehre. 1932.

Peuten, F. Der alte Doktor von Goch. Dr. Rademacher, 1772-1850. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1938, S. 58-62.

Peuten, Dr. Franz. Johann Gottfried Rademacher, seine Erfahrungsheillehre. 1933.

Rademacher, Johann Gottfried. Rechtfertigung der von den Gelehrten mißkannten, verstandesrechten Erfahrungsheillehre der alten scheidekünstigen Geheimärzte und treue Mittheilung des Ergebnisses einer 25jährigen Erprobung dieser Lehre am Krankenbette mit einem Aufsatz von Dr. med. Johannes Feyen über "Rademacher heute". Faksimile der 3. Ausgabe, die 1848 bei G. Reimer, Berlin, erschien. Köln, 1983.

Schmitz, Alphons. Dr. Rademacher. In: Niederrhein-Heimatbeilage, Nachdruck 1981, S. 90, 96, 103.

Teggers, Heribert. Dr. Johann Gottfried Rademacher. In: Niederrhein-Heimatbeilage, Nr. 21-23, 1930, Nachdruck 1981, S. 81-83, 85-86, 89-90.

Raiscop, Aleidis (1449 - 1507)

Aleidis Raiscop erblickte 1449 in Goch das Licht der Welt. Sie wird vermutlich als Kind bereits in der Gocher Lateinschule die lateinische Sprache erlernt haben. Es ist aber auch möglich, dass Aleidis Raiscop die Sprache an der von ihrem Großonkel Dr. Heinrich Raiscop gestifteten Uedemer Lateinschule erlernt hatte. Aleidis Raiscop war Schülerin beim Bruder Benediktus von Maria Laach und ging mit 16 Jahren in das Kloster Hagenbusch bei Xanten. 1467 wechselte sie als gelehrte Schulmeisterin ins Kloster Rolandswerth (heute Nonnenwerth). Die Benediktinerin verfasste sieben lateinische Homilien (Predigten über Abschnitte der Heiligen Schrift) über den heiligen Paulus, übertrug ein deutsches Werk über die heilige Messe ins Lateinische und erlangte im Kloster Rolandswerth (heute Nonnenwerth) als humanistische Schriftstellerin Berühmtheit. Ihre besondere Begabung waren Übersetzungen in höchster Perfektion aus dem Deutschen ins Lateinische. Sie starb am 15. Dezember 1507 im Kloster Nonnenwerth.

Der wichtigste humanistische Freund war Johannes Butzbach, von dem Aleidis – wie auch von anderen – großes Lob erntete. Er widmete ihr sein 1505 geschriebenes Werk „De illustribus mulieribus“ (Über berühmte Frauen) und verglich sie in seinem Schriftstellerlexikon mit anderen berühmten Benediktinerinnen wie z.B. Hildegard von Bingen.

Goch benannte 1932 zur Erinnerung an Raiscop eine Straße.

Aus dieser Gocher Familie stammten zahlreiche Geistliche, z.B. um 1419 Heinrich Raiscop, der im Vatikan das Amt eines Abbreviators in der päpstlichen Kanzlei inne hatte, oder 1455 ein Wilhelm Raiscop, der Kanonikus in Kleve war. Von 1484 bis 1511 war ein Gerardus Raiscop Mönch bei den Kartäusern in Wesel.

Ein Familienzweig der Raiscops lebte in Uedem. Ein Dr. Heinrich Raiscop  war 1445 Propst am Marienstift zu Utrecht und ließ sein verfallenes Haus an der Viehstraße in Uedem als Spital einrichten. 1446 errichtete er ein zweites Haus als Lateinschule für zwölf Knaben. 1452 gab Dr. Heinrich Raiscop einen Teil des Spitalsgebäudes für das Kloster der Augustiner aus Gaesdonck her.

Literaturhinweise:
Hennes, Prof. Dr. Das Kloster Nonnenwerth. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 21, 1870, S. 71-81.
Kossert, Karl. Aleydis Raiscop - Die Humanistin von Nonnenwerth. Gocher Schriften 6, o. J.
Kossert, Dr. Karl. Die elf Distichen des Jakob Siberte auf die Nonne Aleydis Raiscop. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1982, S. 132-134.
Vleugel, Clara van der. „Wer war Raiscop?“ In: An Niers und Kendel, Heft 5/1981, S. 20.

Schenk von Nideggen, Martin (1568-1648)

Um 1549 wurde in Goch Martin Schenk von Nideggen als Bastard des Geschlechts von Nideggen in der Mühlenstraße geboren. Während des Achtzigjährigen Freiheitskampfs der Niederlande gegen Spanien (1568-1648) war die Niederrheinregion militärisches Operationsgebiet. Im April 1576 überrumpelte Martin Schenk von Nideggen mit seinen Getreuen das Schloss Blejenbeek zwischen Afferden und Siebengewald, das früher im Familienbesitz der von Nideggen war. Martin Schenk machte das Schloss zu seinem Stammschloss und kämpfte als Kriegsobrist auf Seiten der niederländischen Aufständischen. 1577 fiel Martin Schenk von Nideggen mit der von ihm aufgestellten Söldnertruppe in spanischen Diensten in Holland ein und verbreitete durch seine Kriegs- und Beutezüge Angst und Schrecken. Er besetzte 1579 das Kloster Gaesdonck und plünderte es aus. 1580 führte Martin Schenk von Nideggen in spanischen Diensten das Kommando über ein Heer von 4.000 Mann und eroberte Groningen. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde Martin Schenk ein Massaker an Gefangenen in Delfzijl und die Plünderung von Klöstern vorgeworfen. Im April 1581lockte Schenk von Nideggen eine Garnison Soldaten aus Nimwegen heraus und führte die gefangenen Offiziere auf die Burg Blejenbeek. Als Martin Schenk von Nideggen am 5. April 1582 in die Stadt Xanten einbrach, wurde er von Reitern des Gouverneurs von Geldern gefangengenommen und nach Geldern gebracht. Ein Fluchtversuch am 13. Oktober aus dem Gefängnis in Geldern scheiterte. Erst 1584 wurde er gegen Zahlung von Lösegeld freigelassen. Am 16. November 1584 griff Martin Schenk von Nideggen die Stadt Nimwegen an. 1585 wechselte der Kriegsobrist die Front und ging in die Dienste des mit den holländischen Generalstaaten verbündeten ehemaligen Kölner Kurfürsten Gebhard, da er sich dort mehr Gewinn versprach und wo er den Titel eines Churkölnischen Feldmarschalls erhielt. 1586 beteiligte er sich an dem Versuch, die kurkölnische Stadt Werl für Gebhard zurückzuerobern. Der Versuch scheiterte und Martin Schenk wurde verwundet.

Venlo, Neuss und Ruhrort waren weitere Stationen seiner Eroberungszüge. Am 23. April 1586 schlug Robert Dudley, Graf von Leicester, Martin Schenk von Nideggen in Utrecht zum Ordensritter. Martin Schenk von Nideggen begann am 19. Mai 1586 mit seiner niederländischen Fußtruppe mit der Errichtung einer Schanze auf der Grevenward, woraus sich der Ort Schenkenschanz entwickelte. Im Dezember 1586 schloss Martin Schenk von Nideggen mit den Generalstaaten einen Vertrag und wurde Gouverneur des Gebietes links und rechts der Maas. 1587 nahm Schenk Ruhrort ein. Martin Schenk von Nideggen befindet sich auf dem Höhepunkt seines kriegerischen Ruhms und eroberte die kurkölnische Residenzstadt Bonn. Im Mai 1588 reiste er zur Königin nach England. Einen Monat später wurde gegen Martin Schenk von Nideggen die Reichsacht verhängt. Im September musste Martin Schenks Besatzung in Bonn kapitulieren.Der Truchsessische Krieg war damit beendet. Anfang 1589 verproviantierte der Kriegsobrist die von Spaniern umlagerte Besatzung von Rheinberg. Die Spanier besetzten im Frühjahr 1859 fast das ganze niederrheinisch-holländische Grenzgebiet. Nur der Stammsitz der Schenks, das zu einer starken Festung ausgebaute Blejenbeek, hielt sich noch. Erst nach zweimonatiger Belagerung fiel die Burg Blejenbeek an die Spanier. Im August überfiel Martin Schenk einen spanischen Geldtransport bei Haltern und wendete sich gegen das spanisch besetzte Nimwegen. Er versuchte mit Schiffen und Flößen die Stadt Nimwegen vom Fluss Waal und durch Reiter von der Landseite zu erobern. Am 11. August 1589 ertrank Martin Schenk von Nideggen nach verlorener Schlacht auf der Flucht bei Kampfhandlungen in seiner schweren Ritterrüstung in der Waal vor Nimwegen. Die Nimweger betrachteten ihn als Verräter, trennten vom Leichnam den Kopf ab und steckten ihn auf das St. Antoniustor, vierteilten seinen Leib und ketteten seine Glieder an vier Stadttore. Eine Woche später wurde die Leichenteile bestattet.

Literaturhinweise:
Eustrup, Elisabeth. Die Schenken von Nideggen. Eines der ältesten Rittergeschlechter des Oberquartiers Geldern. In: Geldrischer Heimatkalender 1962, Seiten 40.42.
Ferber, Heinrich. Geschichte der Familie Schenk von Nideggen. 1860.
Kossert, Karl. Die Schenks von Nideggen ... und ihre Beziehungen zur Gaesdonck und zum neuen Kloster. In: An Niers und Kendel, Heft 6/1981, Seite 16-17.
Kossert, Karl. Martin Schenk von Nideggen oder die Fehltritte der Tapferkeit, 1993.
Pinckers-van Roosmalen. Blijenbeek en de Bastaarden (Kroniek van het verleden). In: Rond De Grenssteen 1991, S. 4-8.
Pinckers-van Roosmalen. Drie drosten Schenk van Nydeggen (Kroniek van het verleden). In: Rond De Grenssteen 1991, 8-13.
Pinckers u. Wolters-van der Werff. Maarten Schenk (Kroniek van het verleden). In: Rond De Grenssteen1991, S. 1-6.
Schminnes, Bernd. Martin Schenk von Nideggen - Aufstieg und Niedergang eines Kriegsobristen. In: Schenkenschanz ("de sleutel van den hollandschen tuin"). 1986, Seite 21-27 u. Seite  32-37.
Stein, Dr. Josef. Martin Schenk von Nideggen, ein Söldnerführer aus dem 16. Jahrhundert
Niederrheinischer Geschichts- und Altertumsfreund Nr. 1 u. 2, 1928.
Teggers, Heribert. Martin Schenk von Nideggen. Der Schrecken des Niederrheins. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1956, Seite 85-89.
Teggers, Heribert. Martin Schenk von Nideggen will Nimwegen erobern. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1957, Seite 89-92.

 

Schlüpers, August (1823 - 1901)

August Schlüpers (geboren am 27.2.1823 in Aachen, gestorben am 28.12.1901 in Goch, verheiratet seit 1847 mit Katharina van den Bosch) war 1862 nach der Übersiedlung der Familie mit vier Kindern nach Goch, in das Wohnhaus in der Mühlenstraße eingezogen. Er errichtete 1865 hinter dem Wohnhaus die Plüschfabrik August Schlüpers, wo an Handwebstühlen produziert wurde. Anfangs arbeiten viele Personen in Heimarbeit. 1901 die erste mechanische Plüschweberei in Goch. Um 1910 beschäftigt die Plüschfabrik bis zu 1.200 Arbeiter. Bis in die 1980er Jahre stellt die Firma Plüsche aller Art her. August Schlüpers war ein wohlhabender Weberei-Fabrikant und ein engagierter Bürger Gochs, der viele Projekte in der Stadt finanziell unterstützte. Ab 1866 war er 30 Jahre lang Stadtverordneter und Mitglied des Kreistages. Am 24. Dezember 1901 wurde er in Goch Ehrenbürger.

Literaturhinweise: Erdelmann, Dr. Alfred. Niederrheinische Unternehmerpersönlichkeiten. August Schlüpers. Ein niederrheinischer Textilfabrikant. In: Niederrheinkammer Mai 1985, Seite 289.
Erdelmann, Dr. Alfred. August Schlüpers - Fabrikant, Kommunalpolitiker und Mäzen. In: An Niers und Kendel, Heft Nr. 14, 1985, Seite 19-22.

Prof. Schoofs, Rudolf (1932 - 2009)

Rudolf Schoofs, geboren am  3. Januar 1932 in Goch, gestorben am 28. Juli 2009 in Stuttgart, war ein deutscher Künstler (insbesondere Illustrator) und Kunsthochschullehrer. Er zählt zu den namhaften deutschen Künstlern der Nachkriegszeit.

Studium an der Textilingenieurschule Krefeld bei Georg Muche. Seit 1975 Professor an der Kunstakademie Karlsruhe, ab 1976 Professor an der Kunstakademie in Stuttgart bis zu seiner Emeritierung

Der verstorbene Künstler Rudolf Schoofs gehört zu den bedeutendsten Vertretern der deutschen Nachkriegskunst. Die vierziger und fünfziger Jahre, vor allem die Kunst des Informel prägten seine eigene künstlerische Entwicklung. Er zeichnete selbst in seinem Frühwerk noch von der menschlichen Figur ausgehen Akte, oftmals zarte Liniengespinste, um sich dann verstärkt der Darstellung von Raum zu widmen. 1977 war er auf der Documenta 6 in Kassel vertreten.

Eine Reise nach New York brachte er in unbeschreiblich vitalen Bildern und Zeichnungen zum Ausdruck und mit seinen Städtebildern war er 1981 auf der Biennale in Sao Paulo vertreten. Sein Ringen um das Abbild führte ihn vor allem in der Zeichnung zu einem äußerst sensiblen Auftrag, der sich bis in die letzten Arbeiten hinein noch einmal steigerte. Zeit seines Lebens war er an verschiedenen Hochschulen eng mit seiner Lehrtätigkeit und seinen Studenten verbunden, zuletzt als Professor an der Kunstakademie Stuttgart.

Außer zahlreichen internationalen Preisen ehrte ihn seinen Heimatstadt 1991 mit dem erstmals verliehenen Ferdinand Langenberg Kulturpreis.

Thielen, Peter Heinrich (1839 - 1908)

Der Organist, Komponist und Kirchenmusiker wurde am 11.8.1839 in  Kranenburg geboren und verstarb am 9.1.1908 in Goch. Peter Heinrich Thielen hatte als Organist und Komponist katholischer Kirchenchormusik am ganzen Niederrhein einen hervorragenden Ruf. Ab dem 15. Juni 1874 war Thielen Chordirektor an der Gocher Pfarrkirche Sankt Maria-Magdalena, wo er 33 Jahre das Amt eines Organisten bekleidete und den Pfarr-Cäcilien-Chor leitete.
Am 1. September 1897 wurde er in Landshut auf der Konferenz des Gesamtvorstandes des "Allgemeinen Cäcilien-Vereins für die Diözesen Deutschlands Osterreich-Ungarns und der Schweiz" zum Mitglied des Referenten-Collegiums gewählt.
Bedeutende Werke von Thielen wurden in den Hauptstätten von Preußen, Bayern und vom übrigen Deutschland, von Österreich-Ungarn und der Schweiz, von Italien, Dänemark, England, Russland, Polen, Elsaß-Lothringen, Amerika usw. aufgeführt, z.B. am 17. August 1899 die dem Papst Leo XIII. gewidmete achtstimmige Missa festiva bei der Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Neisse, sowie bei der Generalversammlung des Cäcilien-Vereins für die Erzdiöcese Köln am 24. Mai 1899 in Düsseldorf, die sechsstimmige Missa solemnis bei der Feier des 1300-jährigen Jubiläums der Thronbesteigung des heiligen Papstes Gregor des Großen am 31. August 1890 in Aachen und bei der Generalversammlung des Cäcilien-Vereins für die Diöcese Breslau am 4. Oktober 1899 in Patschkau.
Thielens Werke genossen ein hohes Ansehen und wurden von führenden Musikverlagen gedruckt und überall im deutschsprachigen Raum gesungen.
Der Komponist und Kirchenmusiker stand mitten im Heer der engagierten Musiker, den Cäcilianern, die für eine "wahre Kirchenmusik" kämpften und die opernhaften Messvertonungen eines Mozart oder Berlioz z.B. aufs schärfste ablehnten. Sie wollten die Reformen des Tridentiner Konzils aus dem 16. Jahrhundert aufgreifen und einen allgemein verbindlichen, choralgebundenen kirchenmusikalischen Stil schaffen, der den gottesdienstlichen Bedingungen der Reinheit und Würde entsprechen sollte. Als Motor für diese mehrstimmige Musik sollte der Gregorianische Choral wiederbelebt werden.
Für sein Werk ernannte der Heilige Vater 1898 Peter Heinrich Thielen wegen seiner enormen Verdienste um die Kirchenmusik zum Ritter des Gregorius-Ordens ernannt. 1903 wurde er zum königlichen Musikdirektor ernannt und erhielt die bayrische Maximiliansmedaille für Kunst und Wissenschaft.

Thielens Denken und Arbeiten kreiste stets um eine Kirchenmusik ohne instrumentale Begleitung, die der Verkündigung der Worte Jesu in deutlich vernehmbarer und inhaltlichernsthafter Form gerecht werden sollte, darüber hinaus aber den am Gottesdienst Teilnehmenden aus seinem Alltag heraus in eine "bessere Welt" zu versetzen hatte. Dabei verzichtete Thielen auf Frauenstimmen und komponierte für Knaben- und Männerchor mit der Konsequenz, dass viele Kirchenchöre heute den Beginn ihrer Existenz zeitlich mit dem Wirken Thielens festsetzen (obwohl sie schon vorher mit Frauenstimmen besetzt waren.
Peter Heinrich Thielen vermachte seine Kompositionen und die 33 Bände umfassende Gesamtausgabe der Werke Palestrinas der Kirchenmusikschule Münster.
Der Gocher Bürgermeister vermerkte in der "Gocher Chronik" 1899 folgendes: "Zweifelsohne ist Chordirektor Thielen der bedeutendste Kirchenmusiker Deutschlands und wenn man in Betracht zieht, dass er ganz aus sich selbst, also autodidaktisch zu dieser Fertigkeit gekommen ist, so kann ihm der Titel beigelegt werden: Künstler von Gottes Gnaden!"

In der "Geschichte der Kirchenmusik" würdigte Dr. K. Weinheim Thielens Werk wie folgt: "Es gibt fast keine Gattung kirchlicher Gesänge, der Thielen nicht seine Kraft gewidmet hätte, und wenn ich den Katalog seiner Werke mit seinen über 200 Nummern durchblättere - Thielens Bibliothek besitzt testamentarisch die Kirchenmusikschule in Regensburg - , so muss ich gestehen, dass sich neben vielen "Gelegenheitskompositionen" doch Schöpfungen befinden, denen ein gefälliger, glatter und reiner Stil voll Melodie und Wohlklang ein langes Leben sichern wird. Dahin rechne ich zum Beispiel die "Missa in H. Ss. Trinitatis (sechsstimmig), Missa in H. Ss. Petri et Pauli (achtstimmig), Missa Jubilaei (fünfstimmig), Missa in H. S. Caroli Borromaei (vierstimmig), Magnificat (zweichorig), Ecce Sacerdos, te Deum und Lauretanische Litanei, beide sechsstimmig, dazu noch eine reiche Anzahl deutscher Lieder, besonders Marienlieder und Gesänge für die hl. Weihnachtszeit, die er so gern besungen. Ein auffallender Zug in des Komponisten Schaffen ist seine Vorliebe für die Vielstimmigkeit; eine effektvolle Schreibweise hat ihm hier schöne Erfolge gesichert."

Peter Heinrich Thielens Grabstein auf dem Friedhof in Kranenburg stammte vom Bildhauer Gerd Brüx aus Kleve.
Peter Heinrich Thielen ist Ehrenbürger von Kranenburg. In Goch und in Kranenburg ist eine Straße nach ihm benannt.

Literaturhinweise:

Krey, Herbert. Peter Heinrich Thielen (1838-1908) und der Cäcilianismus. Gründung der Peter Heinrich Thielen-Gesellschaft. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 2003, S. 38-45.
Rühl, Hans. Peter Heinrich Thielen aus Kranenburg. Zur Erinnerung an einen einst bedeutenden Kirchenmeister des Niederrheins. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1978, S. 144-148.
Rühl, Hans. Ein Kranenburger Komponist: Peter Heinrich Thielen. In: Kranenburg - Ein Heimatbuch. Verein für Heimatschutz e.V., 1984, S. 127-128.

 

Türck, Johannes (1550 - 1625) und Heinrich (1607 - 1669)

Johannes Türck, 1550 in Goch geboren, wurde nach einem juristischem Studium als gelehrter Rat Sekretär in der klevischen Kanzlei, wo er unter anderem  als Registrator für das Archivwesen zuständig war. Türck entwickelte sich als klevischer Geschichtsschreiber und setzte die Klever Chronik von Gert von der Schüren fort. Er starb 1625 in Kleve.
Ein weiteres Familienmitglied, der Jesuit Heinrich Türck, geboren am 21. Dezember 1607, gestorben 1669 in Trier, wurde ebenfalls Geschichtsschreiber. Er verfasste sechs handschriftliche Bände zur Geschichte der Diözesen Köln, Münster, Hildesheim, Paderborn und Lüttich. Ein Heinrich Türck besaß in dieser Zeit ein Gut in Hommersum, woraus er eine jährliche Stiftung für den Pastor und den Vikar der Gocher Pfarrkirche verschrieb.
Die Grundstücke Türkenbösken und Turkeland in Hülm gehörten der Familie Türck. Johannes Türck war 1591 Provisor des Männerhauses. Aus der Familie Türck stammten daraufhin etliche Provisoren des Männerhauses.
Heinrich Türck, 1607 in Goch geboren, trat bereits 1625 in den Trierer Jesuitenorden ein, legte 1643 das Gelübde ab und wurde Rektor des Collegiums. Er war ein eifriger Geschichtsforscher und hatte lange Jahre Material für eine Geschichte der Diözesen Köln, Münster, Hildesheim, Paderborn und Lüttich gesammelt. Seine Forschungsergebnisse legte er in sechs Foliobänden nieder. Heinrich Türck ging am 19. November 1669 in den Ruhestand und starb im selben Jahr in Trier. Er war verwandt mit der Gocher Familie Lax.

Literaturhinweise:
Lahrkamp, Helmut. Die Annalen des P. Heinrich Turck S.J. In: Archium Historicum Societatis Jesu Anno XXIV. Rom, 1955, S. 189-210.
Schmitz, Dr. Alphons. Das Geschlecht Türck und die beiden aus Goch gebürtigen Geschichtsschreiber Johannes und Heinrich Türck. Niederrhein Heimatbeilage Nummer 72 vom 19.12.1934, S. 285ff.
Schroeder, Ferdinand. Die Chronik des Johannes Turck. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 58, 1894, S. 1-175.
Weber, Rudolf. Johannes und Heinrich Türck. In: An Niers und Kendel, Heft 9, 1983, S. 24.

 

Valk, Magdalena (Leni) (1933 -1943)

Magdalena Valk (genannt Leni) lebte mit ihrem Eltern in einem Mietshaus in der Brückenstraße, die damals noch Hindenburgstraße hieß. Heute steht dort die Verbandssparkasse. Ihrem Vater gehörte seit 1930 ein Spezialgeschäft für Herren-und Knabenbekleidung am Marktplatz. 1938 wünschte sich Leni in den Kindergarten zu kommen, wo sie ein Kind unter anderen Kindern sein konnte. Aber schon 1935 wurde mit Erlass der „Nürnberger Rassengesetze“, jüdischen, erbkranken und anderen schwächlichen Kindern der Besuch eines „deutschen Kindergartens“ untersagt.

Leni und ihre Eltern erlebten am 9. November 1938 die Pogromnacht. Sie sahen die Flammen der brennenden Synagoge. Leni weinte, als Männer der SA und SS in die elterliche Wohnung stürzten. Sie durchsuchten die Wohnung. Selbst Lenis Puppenwagen stellten sie auf den Kopf. Am 10. November wurde Lenis Vater verhaftet und ins Gocher, später ins Klever Gefängnis gebracht. Von dort aus wurde Walter Valk ins Konzentrationslager nach Dachau transportiert. Erst im Februar 1939 kehrte er nach Goch zurück. Das Leben für Leni wurde immer schwieriger.  Am 15. November 1938 verkündete das NS-Regime, dass jüdische Kinder keine öffentlichen Schulen mehr besuchen durften. Lenis Mutter fasste daher im Dezember den Entschluss, Leni zu ihrem Onkel in die Niederlande zu schicken. Ein Freund brachte Leni über die niederländische Grenze nach Boxmeer. Dort kaufte er eine Fahrkarte nach Leeuwarden, gab ihr diese in die Hand und hängte ein Schild um Lenis Hals mit der Aufschrift: „Bitte helft dem Kind. Zielort: Leeuwarden.“ Nach langer Zugfahrt kam Leni bei ihrem Onkel an.

Die Flucht aus Goch schützte Leni unter anderem vor der nationalsozialistischen Verordnung, dass alle jüdischen Mädchen und Frauen den Namen „Sara“ als Ergänzung zu ihrem Vornamen erhalten mussten. Mit sechs Jahren ging Leni ab September 1939 zunächst auf die niederländische, dann auf eine jüdische Schule. Sie schickte ihren Eltern Briefe, die sie in niederländischer Sprache schrieb. In einem Brief schrieb Tante Herta aus Holland 1941 nach Goch: „Leni hilft uns über die Trübsal hinweg. Ihre sonnige Natur sieht natürlich noch keine Schwierigkeiten, ... Gestern hatte Leni einen besonders guten Tag: 1. mittags als Auffüllung Kartoffelpfannkuchen, 2. nachmittags Religionsstunde, die sie besonders liebt, 3. abends Steckrüben, die sie als eines ihrer Leibgerichte angibt. Also an einem Tag dreimal geboft“ (=Glück gehabt).

Leni erfuhr nicht mehr, dass ihre Eltern am 10. Dezember 1941 deportiert wurden. Über Krefeld-Düsseldorf wurden sie per Zug ins Lager Riga gebracht, wo ihre dreieinhalb Jahre dauernden Leidenswege begannen. Leni lebte 1942 immer noch im Schutze ihres Onkels und ihrer Tante in Leeuwarden. Doch wie in Deutschland, so mussten auch alle Juden in den Niederlanden Judensterne tragen. Am 2. Oktober 1942 wurden Lenis Onkel Isaac und Cousin Josef nach Westerbork gebracht, Leni und Tante Hertha folgten am 5. Oktober. Nach neun monatigem Aufenthalt, erfuhren Leni und ihre Verwandten, am Abend des 17. Mai 1943, dass sie auf der Transport-Liste für den nächsten Tag standen. Am 18. Mai musste Leni mit Onkel und Tante und fast eintausend anderen Menschen den Zug in Westerbork besteigen. In Viehwaggons gepfercht wurden sie in dreitägiger Fahrt nach Sobibor gebracht. In jedem Zugwaggon stand für alle nur ein Eimer Wasser und ein Eimer für die Notdurft zur Verfügung. Nach dreitägiger Fahrt, am 21. Mai 1943 kamen sie in Sobibor an. Unschuldig wurde sie mit tausend anderen in diesem Vernichtungslager ermordet. Ihre Eltern erfuhren erst zwei Jahre später nach ihrer Rückkehr aus den Konzentrationslagern vom Tod ihrer in Sicherheit geglaubten Tochter Leni.

Literaturhinweise:
Puyn, Alois. Gedächtnis und Mahnung, Magdalena Valk aus Goch starb als Neunjährige in den Gaskammern. In: Kalender für das Klever Land auf das Jahr 1983, S. 43-45.Festschrift zum 25-jährigen Bestehen der Leni-Valk-Realschule Goch 1966-1991.

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